Kirche in sozialen Netzwerken – konfessionelle Unterschiede?

In keinem anderen Bereich habe ich so viel mit katholischen Mitmenschen zu tun, wie im Bereich Kirche und sozialen Medien. Dabei habe ich erlebt, dass die Konfession in der Begegnung, in den Debatten und in den Ideen zunächst erst einmal keine Rolle spielt (es sei denn es handelt sich um eine Idee zu einer App zu bestimmten katholischen Texten 😉 ). Es geht darum Christentum ins Netz zu bringen.  Da braucht es meiner Meinung nach gebündelte Kräfte und keine Spalterei. Nun die Frage an euch: Gibt es dennoch konfessionelle Unterschiede in Begründung und Ideen von Kirche in sozialen Netzwerken?

Advertisements

8 responses to “Kirche in sozialen Netzwerken – konfessionelle Unterschiede?

  • Andrea MayerEdoloeyi (@andreame)

    Mein Eindruck ist, dass die Pluralität innerhalb der Konfessionen eigentlich schwerer wiegt als Unterschiede zwischen den Konfessionen, die sich halt dann dort zeigen, wo es reale Unterschiede gibt, z.B. in der Kirchenstruktur oder im Liturgieverständnis. Und natürlich gibt es andere Begründungsfiguren: als Katholikin kann ich Social Media gut vor dem Hintergrund des II. Vatikanischen Konzils argumentieren, das geht natürlich für Evangelische nicht, die haben aber wohl auch reichlich passendes Material in ihrer Tradition. Interessanterweise landen wir dann aber inhaltlich sowieso wieder bei den Gemeinsamkeiten, z.B. dem allgemeinen Priestertum aller Getauften.
    Ich erlebe es als ermutigend und bestärkend mich mit anderen Social Media Begeisterten auszutauschen und da ist es für mich wie offenbar auch vor Dich keine vorrangige Frage welcher Konfession wer angehört.

  • Roland Kupski

    Die katholische Kirche gibt in Prinzip mehr Geld aus für Öffentlichkeitsarbeit. Das ist ein leider sehr gravierender Unterschied, der aber schon etwas damit zu tun hat, das Öffentlichkeistarbeit eine Führungsaufgabe ist, die in der katholischen Struktur eher nach oben, in der evangelischen eher nach unten delegiert wird. Und unten reichen dann oft die Kapazitäten nicht oder es wird zu keinteiig. Oder, wie soll ich es nett sagen, es hängt an den Zufälligkeiten des Engagements.

    • Roland Kupski

      Keintteig ist ja ein nettes Wort, aber in welcher Sprache? KLEINTEILIG meinte ich. Klappt nicht immer so mit dem Smartphone.

  • Friederike Erichsen-Wendt

    Kirche in sozialen Netzwerken gehört zur Schauseite der kirchlichen Organisation. Wirklich wirksam ist das nur Top Down – und das ist für die römische Kirche aufgrund ihrer Struktur einfacher. Die Unterschiede sind mE nicht in der Konfessionalität begründet, sondern in der Struktur des Konfessionstyps.

  • Andrea MayerEdoloeyi (@andreame)

    Mag sein, dass eure Einschätzung im groben so stimmt, dass die Katholische Kirche sich leichter tut mit Top-Down-Öffentlichkeitsarbeit. ABER 1: Auch hier gilt, dass die näheste Kommunikationsform diejenige ist, die am besten ankommt. Laut MDG-Trendmonitor sind das die Pfarrblätter, die dezentral produziert und verteilt werden.
    ABER 2: Mit dem Social Web ändern sich auch die Medien, weg vom Ein-Sender-Viele-RezipientInnen-Modell hin zum Netzwerkmodell. Insofern könnte da der vermeintliche Vorteil auch ein Nachteil sein, denn die Kommunikationsform im Social Web wird in wenigen Jahren für eine breite Mehrheit die „normale“ sein.
    ABER 3: Religiöse Kommunikation ist mehr als Kirchenkommunikation und passiert meiner Meinung nach vor allem dort, wo auch persönliche Beziehung stattfindet (aber gerne auch online). Im Social Web beobachte ich das in der Form, dass die „offiziellen“ Seiten und Accounts (auch wenns gut gemacht ist) wesentlich weniger wahrgenommen werden als Personenaccounts.

  • Roland Kupski

    Das sehe ich auch so. Das „social web“ ist kein Instrument der Öffentlichkeitsarbeit im Sinne von gesteuerter Kommunikation einer Institution. Auf lokaler/regionaler Eben vielleicht, aber es sind ja – jedenfalls in manchen Regionen- noch nicht alle „on“.
    Und es gibt im traditionell-bürgerlichen Protestantismus auf jeden Fall Widerstand, oder sagen wir lieber: eine tiefe Skepsis, gegenüber neuen Medien und ihren Protagonisten.
    Es ist eher der fundamentalistisch- evangelikale Protestantismus, der da intensiver unterwegs ist: weil der „virtuelllen“ Communitiy eine
    tatsächliche Gemeinschaft mit hoher Verbindlichkeit entspricht.

    Aber wie soll man das überblicken?

    Die sozialen Netzwerke werden sich dem Zugriff von Instutionen, die nicht selber Betreiber sind, immer entziehen. Und da gibt es im Protestantismus auf der Ebene der Gemeinde stärkere Skepsis, das glaube ich schon. Kirchenkreise und Landeskirchen sind für die allermeisten evangelischen Christen völlig abstrakte Gebilde, die höchstens in der Person einer/s Dekans/in oder Bischofs/Bischöfin sichtbar werden, wenn es um Stellenbesetzungen geht oder ab und an mal um einen solennen Anlaß. Schon die Nachbargemeinde ist oft ein Universum weit weg. Das halte ich schon für eine konfessionelle Differenz. Wir haben in der EKKW dieses Jahr eine Kirchenvorstandswahl, bei der zum ersten Mal in der EKD überhaupt auch online gewählt werden kann. Die dazu laufende facebookseite ist letztlich ein Flop: ein reines Insidertreffen, obwohl wir sie von Außen stark bewerben. Protestanten interessieren sich im allgemeinen nicht für Strukturen oberhalb der Gemeinde. Und für das reine Informationsbedürfnis reichen die Web 1.0 Aktivitäten, die auch gut genutzt werden.

  • Sophie Lauringer

    Ich bin der Meinung, dass wir die Social Media in der strategischen Kommunikation einplanen müssen. Vor 2.000 Jahren gab es Papyrus, das war das damalige Smartphone. Vor 80 Jahren war es das Radio, heute ist es das Web 2.0.

  • KaWi

    In der Praxis geht es leider häufig mehr darum, die eigenen Äste nicht abzusägen, und sei es nur das Label der eigenen Gemeinde, der Konfession oder des Logos auf dem Flyer xy, weil man finanziell mehr reingeworfen hat … Dabei trägt bekanntlich ein Baum bessere Früchte, der liebevoll geschnitten wird. Jetzt wäre doch Zeit dafür, oder??? (Bin ein Stadtkind, pardon …)

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: